SAVE THE DATE
GENERALVERSAMMLUNG UND BURGENTAG
v. 17.-18.10.2026 in Südtirol
Unsere Generalversammlung und der Burgentag finden heuer in
Südtirol, organisiert vom Südtiroler Burgeninstitut, statt.
Details werden Ihnen separat mitgeteilt
WELTERBETAG 2026
Am 18. April 2026 findet der Welterbetag statt. Unter dem Titel „Denkmale im Welterbe“ beteiligt sich das Bundesdenkmalamt gemeinsam mit weiteren Partnern mit einem vielfältigen Programm rund um diesen Tag.
In den UNESCO-Welterbestätten Historisches Zentrum von Salzburg und Historisches Zentrum von Wien öffnen sich schöne Orte, Restaurierungsprojekte werden vorgestellt und besondere Einblicke in Denkmalschutz und Denkmalpflege ermöglicht.
Informationen zu den Programmpunkten sowie zur Anmeldung finden Sie
Ungarnreise 24./25. März 2026

Text: Siegbert Sappert
Durch die Sonderausstellung über den Juwelier A.E. Köchert in Schloss Gödöllö angeregt, organisierten Frau Elfie Rühl und ich eine 2-tägige Ungarnreise mit Schloss Esterhazy in Tata und Kloster Pannonhalma als weitere Ziele.
Am Dienstag 24. März ging es in einem gemütlichen Reisebus in Begleitung unseres Präsidenten Alexander Graf Kottulinsky von Wien nach Gödöllö (dt.: Getterle). Nach einer Mittagspause im dortigen Schlosskaffeehaus führte uns die Ausstellungs-Kuratorin Beatrice Austerlitz mit großer Leidenschaft durch die über 200-jährige Geschichte der Wiener k. & k. Hofjuwelierdynastie A. E. Köchert. Neben zahlreichen Prunkstücken aus kaiserlichem und internationalem aristokratischem Besitz konnten wir z.B. eine von Theophil von Hansen (1913-1891) für Kaiserin Elisabeth (1837-1898) entworfene prächtige Neorenaissance-Brosche oder einige Geschenke Kaiser Franz Josephs (1830-1916) an die Schauspielerin Katharina Schratt (1853-1940) bewundern. Ebenso wurden ungewöhnlichere und moderne Goldschmiedearbeiten oder Schmuckstücke nach Entwürfen namhafter Künstler, wie Hans Hollein (1934-2014), George Condo (*1957) oder Erwin Wurm (*1954) gezeigt. Anschließend empfing uns der Leiter der Museumsabteilung Dr. János Papház und begleitete uns durch die Räumlichkeiten des Schlosses, wo Kaiser Franz Joseph und Elisabeth einst lebten. Das Schloss war ab 1735 für Antal Graf Grassalkovich I. (1694-1771) nach dem Entwurf des Salzburger Architekten Andreas Mayerhoffer (1690-1771) errichtet worden. 1751 weilte auch Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) einige Tage im Schloss, wovon noch heute das prunkvolle mit (Stuck-)Marmor ausgestattet Schlafgemach zeugt. Nach Aussterben der mittlerweile gefürsteten Familie Grassalkovich im Jahre 1841 erwarb u.a. Georg Simon von Sina (1783-1856) das Anwesen. 1866 besuchte Kaiserin Elisabeth das Schloss und bat Franz Joseph es zu erwerben, was dieser aus Kostengründen ablehnte. Nach dem Ausgleich mit Ungarn 1867 erwarb es der ungarische Staat, um es dem neu gekrönten ungarischen Königspaar nach umfangreicher Sanierung fortan als Sommersitz zu überlassen. Elisabeth verbrachte über 2.000 Tage im Schloss und genoss das Fehlen höfischer Zwänge, während sie ihrer Ungarn-Liebe frönte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Schloss umgenutzt und verfiel, bevor es schließlich 1996 nach teilweiser bis heute andauernder Sanierung als Museum wieder eröffnet wurde.
Am späten Nachmittag bezogen wir voller Eindrücke und Erlebenisse schließlich unsere Zimmer im nahegelegenen Hotel Königin Elisbath in Gödöllö. Den Abend ließen wir bei einem vorzüglichen 3-gängigen Abendessen im Restaurant Smarni ausklingen.
Am nächsten Morgen brachen wir nach einem guten Frühstück mit dem Bus in Richtung Tata (dt.: Totis) auf, wo wir das dortige Esterházy-Schloss besichtigten. József Graf Esterházy de Galántha (1682-1748) hat die Herrschaft 1727 erworben. In den 1760ern ließ sein Sohn eines neues Barockschloss nach Plänen Jakab Fellners (1722-1780) neben der Burg errichten. Seit 2021 kann das sanierte Schloss besichtigt werden, wo u.a. 1809 Kaiser Franz II./I. (1768-1835) den Frieden von Schönbrunn unterzeichnete. Im Herbst 1897 weilten ebenfalls Kaiser Franz Joseph I. und Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) während einer Militärübung einige Tage im Schloss. Ebenso wurde hier 1921 König Karl I. (1887-1922) im Schloss nach seinem 2. misslungenem Rückkehrversuch verhaftet. Das Mittagessen nahmen wir im nahen und mit zwei Michelin-Sternen – wie wir fanden zurecht – ausgezeichneten Restaurant Platán ein.
Von dort fuhren wir zur Erzabtei Pannonhalma (dt.: Martinsberg), welche an dieser Stelle im Jahre 996 als Benediktinerkloster durch Fürst Géza I. (940-997) gegründet wurde und seit 1996 zum UNESCO-Welterbe gehört. Im Rahmen einer Führung besuchten wir die spätromanisch-frühgotische Kirche und den spätgotischen Kreuzgang, sowie die ab 1825 erbaute klassizistische Bibliothek. Am 23.8.1945 war in der Abtei Stephanie von Belgien (*1864; verheiratet in 2. Ehe mit dem ungarischen Fürst Lónyay von Nagy-Lónya und Vásáros-Namén) verstorben, die vor den Kriegswirren 1944 in das unter Schutz des roten Kreuzes stehende Kloster geflüchtet war. Sie und Ihr Mann sind in der Krypta begraben sowie auch seit 2011 das Herz Otto von Habsburgs (1912-2011).
Am Abend kehrten wir schließlich nach zwei sonnigen Tagen pünktlich vor dem erneuten Wintereinbruch wohl behalten nach Wien zurück.
Spaziergang durch den 1. Wiener Gemeindebezirk
Text: Siegbert Sappert
Fotos: Alexander Kottulinsky, wikimedia.org

Am 4. Dezember 2025 organisierten Frau Elfie Rühl und Herr Siegbert Sappert für insgesamt 16 unserer Mitglieder einen eleganten vorweihnachtlichen Spaziergang durch die Wiener Innenstadt. Auf dem Programm standen die Besichtigungen der Akademie der Wissenschaften, des Palais Fürstenberg sowie des Deutschordenshauses.
Treffpunkt war die Neue Aula der alten Wiener Universität, die bekanntlich auf die Gründung durch Herzog Rudolf IV. (1339–1365) im Jahre 1365 zurückgeht. Die Neue Aula, in der seit 1857 die Akademie der Wissenschaften untergebracht ist, wurde 1756 als Hauptgebäude der Universität von Kaiserin Maria Theresia (1717–1780) eröffnet. Architekt des barockklassizistischen Baus war der Lothringer Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey (1710–1761).


Akademie der Wissenschaften
Festaal
Unserer Gruppe wurde die große Ehre zuteil, dass der Präsident der Akademie Dr. Heinz Faßmann sie persönlich im prächtigen Festsaal empfing. Das Deckenfresko des Festsaals stammt von Gregorio Guglielmi (1714–1773), wurde 1961 durch einen Brand zerstört und rekonstruiert. Wir erhielten bei dieser Gelegenheit einen kurzen Einblick in die Geschichte und Tätigkeit der 1847 von Kaiser Ferdinand I. (1793–1875) gegründeten Institution. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist eine Gelehrtengesellschaft und heutzutage die größte Trägerin außeruniversitärer Grundlagenforschung Österreichs. Sie besteht aus über 770 gewählten Mitgliedern und verfügt über ein jährliches Basisbudget von rund 100 Mio. Euro. Neben der wissenschaftlich fundierten Gesellschafts- und Politikberatung sowie der Grundlagenforschung ist die Akademie in der Förderung von Nachwuchswissenschaftlern aktiv.
Anschließend führte uns der Architekturhistoriker Dr. Richard Kurdiovsky vom Institut für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraums durch die weiteren Räumlichkeiten der Neuen Aula und die Bibliothek am Campus Akademie.
Zu Fuß ging es danach in das wenige Minuten entfernte Palais Hatzenberg-Fürstenberg in der Domgasse 10. Dieses befindet sich seit 1927 im Eigentum des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, wo uns Präsident Benedikt Föger begrüßte. Die Führung übernahm Geschäftsführer Gustav Soucek, der uns in die Geschichte des für den kaiserlichen Rat Ernst Freiherr von Hatzenberg im Jahre 1720 erbauten Hauses einführte. Vermutlicher Architekt war der Italiener Antonio Beduzzi (1675–1735) aus Bologna. 1882 erwarben die Landgrafen von Fürstenberg das Palais für wenige Jahre. Die heutige Innenausstattung stammt überwiegend aus den 1910er-Jahren. Zu den wichtigsten Tätigkeiten des Verbandes zählen zum Beispiel die Vergabe der Internationalen Standardbuchnummer (ISBN) für neue Publikationen oder die Veranstaltung der viertägigen internationale Buchmesse „Buch Wien“ etc. Interessant für unsere Mitglieder könnte sein, dass in diesem Verband auch die Antiquariate organisiert sind und dieser somit ein erster Ansprechpartner zur Übernahme größerer und kleinerer Bibliotheken sein könnte.
Zum hervorragenden Mittagessen mit interessanten Gesprächen fanden wir uns in der Feinkosterei am Neuen Markt ein, bevor es schließlich zum dritten und letzten Tagespunkt ins Deutschordenshaus ging.
Hier erwartete uns der 66. Hochmeister und Generalabt des Deutschen Ordens Frank Bayard, der uns durch den ausgedehnten Gebäudekomplex führte, welcher sich um zwei Innenhöfe gruppiert. Ab 1667 wurde das Haus von Carlo Canevale (1625–1690) im Zuge einer grundlegenden Neugestaltung des gesamten mittelalterlichen Komplexes neu errichtet und 1679 erweitert. Wir besuchten die St.-Elisabeth-Kirche, deren Altarbild vom deutschen Maler Tobias Pock (1609–1683) stammt. Auffallend sind die über achtzig Wappenschilde an den Wänden, sogenannte „Aufschwörschilde“: Es war Brauch, dass jeder Ordensritter in der Kirche, in der er den Ritterschlag erhielt, sein Wappenschild aufhängte. In der reich mit Fresken im Stil der venezianischen Spätrenaissance verzierten Sala terrena trat Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), der 1781 im Gefolge des Salzburger Erzbischofs Hieronymus Graf Colloredo (1732–1812) im Haus wohnte, mehrfach auf. Ein weiterer eng mit dem Haus verbundener Komponist war Johannes Brahms (1833–1897), der hier von 1863 bis 1865 lebte. Trotz Umbaus erhielten wir einen Einblick in die Schatzkammer, bevor wir bei einem kleinen Umtrunk im sogenannten „Rittersaal“ schließlich den Tag gemütlich ausklingen ließen.

SAVE THE DATE
–Tag des Denkmals am 27. September 2026–
In ganz Österreich öffnen wieder viele Denkmale ihre Tore und laden dazu ein, kulturelles Erbe bei freiem Eintritt zu entdecken.
Unter dem Motto Denkmale: Wert für alle. soll gemeinsam gezeigt werden, welchen gesellschaftlichen, kulturellen, ökologischen und wirtschaftlichen Wert Denkmale haben.
Machen Sie Ihr Denkmal sichtbar, erlebbar und begehbar und gestalten Sie mit dem Bundesdenkmalamt den Tag des Denkmals 2026.
Welterbe-Mission in Salzburg – Historisches Zentrum der Stadt in Gefahr?
Text und Fotos: Anton Revertera

Von 19. bis 21. November 2025 besuchten ExpertInnen des UNESCO-Welterbezentrums (World Heritage Centre) und ICOMOS (International Council on Monuments and Sites – Internationaler Rat für Denkmalpflege) im Rahmen einer sogenannten Reactive Monitoring Mission die Welterbestätte „Historisches Zentrum der Stadt Salzburg“.
Eine Reactive Monitoring Mission ist ein offizielles Prüfverfahren der UNESCO, das immer dann eingeleitet wird, wenn der außergewöhnliche universelle Wert einer Welterbestätte durch spezifische Bedrohungen gefährdet ist, und befasst sich mit Fragestellungen rund um Schutz, Erhalt, Entwicklung und Management der Welterbestätten. Der erwähnte „außergewöhnliche universelle Wert“ (Outstanding Universal Value, OUV) wiederum definiert die Bedeutung einer Stätte als so überragend, dass sie über nationale Grenzen hinausgeht und für die gesamte Menschheit von Belang ist. Im Fall von Salzburg basiert der OUV vor allem auf dem einzigartigen Austausch zwischen italienischer und nordalpiner Barockarchitektur, der engen Verbindung von Stadtbild, Landschaft und Musikgeschichte (Mozart, Festspiele) sowie seiner herausragenden Stellung als weltweit besterhaltenes Beispiel eines kirchlichen Fürstentums.
Dieser Besuch war die Folge einer Entscheidung des Welterbekomitees bei seiner 47. Sitzung (47 COM 7B.96), in welcher der Vertragsstaat (Österreich) aufgefordert wurde, eine gemeinsame Reaktive Überwachungsmission des Welterbezentrums und des ICOMOS zur Welterbestätte einzuladen, um die Auswirkungen bereits durchgeführter und geplanter Projekte innerhalb der Welterbestätte und deren Pufferzone sowie die Wirksamkeit des Welterbe-Managementsystems zu bewerten.
Im Rahmen dieser Mission war ebenfalls eine Anhörung von NGOs, zivilgesellschaftlichen Initiativen bzw. Vertretungen im Rahmen eines „Civil Society Forum“ vorgesehen. Der Verein Historische Gebäude Österreich wurde von der Österreichischen UNESCO-Kommission (ÖUK) zu diesem Forum eingeladen, und ich konnte aufgrund unserer Mitgliedschaft bei Europa Nostra in beobachtender Rolle daran teilnehmen.


Die Organisationen und Institutionen waren aufgefordert, ihre Anliegen in 10-minütigen Beiträgen in englischer Sprache vor den ExpertInnen der Reactive Monitoring Mission sowie den die Mission begleitenden ExpertInnen und VertreterInnen aus Österreich vorzubringen. Direkte Fragen an die ExpertInnen waren aufgrund der sehr eng bemessenen Zeit nicht zugelassen. Das Forum fand am 20. November in den Räumlichkeiten des Baurechtsamtes des Magistrats der Stadt Salzburg statt; moderiert wurde es von Florian Meixner, dem Leiter der Abteilung für Welterbe und Kulturgüterschutz der ÖUK.
Insgesamt hatten sich 13 Organisationen und Initiativen mit ihren als „Interventions“ bezeichneten Anliegen angemeldet, darunter die Europa Nostra, die Initiative Architektur, der Stadtverein Salzburg, der Naturschutzbund, die Kammer der Zivilingenieure OÖ und Salzburg sowie das DomQuartier Salzburg. Der Beitrag von Europa Nostra war mit „Salzburg Festival District in Danger“ übertitelt. Darin wurde beispielsweise kritisiert, dass die massiven Umbau- und Erweiterungspläne (insbesondere das Projekt „Festspielhaus 2030“) die visuelle Integrität sowie den historischen Charakter der Salzburger Altstadt als UNESCO-Welterbestätte ernsthaft gefährden könnten, und auf die mangelnde Einbindung der Zivilgesellschaft hingewiesen (Intransparenz der Planungsprozesse und Forderung nach einer stärkeren Berücksichtigung unabhängiger ExpertInnen sowie der lokalen Bevölkerung, um eine „monumentale Überformung“ des Viertels zu verhindern). Darüber hinaus wurde ein behutsamerer Umgang mit der Substanz eingefordert, der den Schutz des kulturellen Erbes über rein ökonomische Interessen der Salzburger Festspiele stellt.
Letztlich liefen sämtliche „Interventions“ der verschiedenen Interessensgruppen darauf hinaus, dass bei deren Nichtbeachtung aus Sicht der Vorbringenden dem Weltkulturerbe Salzburg zu Recht die „Rote Liste“ drohe, was dringend zu verhindern sei. Die „Rote Liste“ ist eine Auflistung des gefährdeten Welterbes und dient dazu, auf Natur- und Kulturstätten aufmerksam zu machen, deren außergewöhnlicher universeller Wert durch spezifische Bedrohungen akut gefährdet ist. Sie soll internationale Unterstützung mobilisieren und Korrekturmaßnahmen fördern, um den Schutzstatus der betroffenen Stätten wiederherzustellen. In diese unrühmliche Liste aufgenommen zu werden, kann durchaus ernste Konsequenzen für den Welterbestatus mit sich bringen: Es kommt zu einer verschärften Überwachung, wobei die UNESCO einen verbindlichen Katalog an Korrekturmaßnahmen festlegt und jährliche Berichte sowie regelmäßige Kontrollbesuche zur Pflicht werden. Weiters kann es zu Planungsstopps bei umstrittenen Projekten führen, um den Welterbe-Status nicht endgültig zu verlieren. Falls Korrekturen ausbleiben, kann in letzter Konsequenz der Status aberkannt werden; so etwa geschehen beim Dresdner Elbtal und bei der Liverpooler Maritime Mercantile City.
Ob Salzburg der österreichischen Hauptstadt in den Kreis jener UNESCO-Welterbestätten folgen wird, die unter besonderer Beobachtung stehen und deren Status als „stark gefährdet“ eingestuft wird (Wien seit 2017), wird sich noch zeigen. Der Bericht der ExpertInnen-Kommission wird für das Frühjahr 2026 erwartet und mehr Klarheit hinsichtlich der Frage bringen, wohin die weitere Reise geht.

Illusionistische Malereien im Pfarrhof Haag werden der Öffentlichkeit zugänglich
Text: Therese Backhausen
Fotos: Maria Fuchsluger
Im Rahmen der umfassenden Renovierungsarbeiten des imposanten und in die Jahre gekommenen, im Kern mittelalterlichen Pfarrhofes im niederösterreichischen Haag im Mostviertel wurde eine klassizistische Raumfassung, vermutlich aus dem Jahre 1828, nach jahrelangem Dornröschenschlaf ans Tageslicht geholt. Nun soll sie anlässlich der Niederösterreichischen Landesausstellung 2026 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Was für ein Glück, dass der Pfarrer von Haag kürzlich die Sanierung des im Laufe seines Daseins mehrfach ausgebauten, denkmalgeschützten Pfarrhofes – er erhielt seine heutige Gestalt im Wesentlichen um 1800 – in Angriff nahm! Einer der Räume, vermutlich war es der ehemalige Speisesaal, birgt mit seiner würdigen und künstlerischen Ausstattung einen kunsthistorischen Schatz. Nicht, dass man um diese Malereien, die sich gut erhalten haben, nicht gewusst hatte, sie waren aber unzugänglich und schlummerten jahrzehntelang hinter Geraffel und Kramuri.? Nun rücken sie erstmals wieder ins Rampenlicht.
Es handelt sich dabei um eine illusionistische Malerei, die den Innenraum aufwertet und die freien Flächen belebt, Weite sowie eine heile Welt vermittelt und die Innen- mit der Außenwelt verschmelzen lässt, um den Raum optisch zu erweitern. Illusionsmalereien dieser Art haben eine lange Tradition, besonders in der Villenarchitektur wie etwa in Pompeji, der Renaissance oder im Klassizismus. Sie schaffen eine prächtige Atmosphäre, und genau das trifft gleichermaßen auf den Prunkraum im Haager Pfarrhof zu. Auch hier wird – malerisch und optisch begrenzt durch eine umlaufende Balustrade – die Innenarchitektur durch Ausblicke auf Allerwelts- bzw. Phantasielandschaften erweitert. Ein breites Spektrum von sich tummelnden Menschen und Versatzstücken wie Stadtarchitekturen, spannenden Symbiosen von klassizistischen und barocken neben mittelalterlichen Bauten in ruraler Atmosphäre, Säulen, Viadukten, Triumphbögen, Gartenlandschaften, dramatisch bewegten Seestücken, Häfen mit venezianischen Gondeln und anderen liebenswürdigen Details wird dem Betrachter geboten. Das Zentrum, auf das der Blick des Betrachters gelenkt werden soll, bildet ein Tempietto, der in seiner antiken Formensprache Assoziationen zu berühmten Bauwerken in Italien evoziert.
Wer oder was mag wohl den Künstler, der dem Schauenden diese besondere Raumwahrnehmung schenkte, zu solchen Darstellungen inspiriert haben? War es der von 1825 bis 1833 in Haag tätige Pfarrer Gottfried von Dreger selbst, wie es bisher kolportiert wird? Dass Dreger der Auftraggeber für diese Raumfassung war, ist im Pfarrarchiv der Pfarre Haag belegt. Demnach verfügte er, den Pfarrhof besonders zu verschönern. So ließ er auch „die Zimmer im hinteren Thrakte“ ausmalen.[1] Dabei handelt es sich wahrscheinlich um diese Malereien, zumal im hinteren Trakt in einem anderen Raum noch Reste einer Fassung gefunden wurden.[2] Die kürzlich anlässlich der Restaurierung entdeckte Signatur weist mit „Franz Hasenleithner, pinxit 182[3?]8“[3] den Maler aus, der ohne Zweifel Kenntnis von italienischen Städten, z. B. von Venedig, Rom und Tivoli, hatte. Da Dreger erst 1825 Pfarrer in Haag wurde, ist das ältere Datum mit 1823 unwahrscheinlich und eine Inspiration durch ihn wohl auch nicht gegeben, zumal Dreger erst im Jahre 1829 seine Italienreise absolvierte, die ihn neben vielen anderen in namhafte Städte wie Venedig und Rom führte.[4] Oder schlug sich eine frühere Italienreise Dregers in Hasenleithners Werk für Haag nieder? Um Licht in dieses Dunkel bringen zu können, bedarf es weiterer Forschungen – vielleicht als Thema einer künftigen Masterarbeit.
Zu den Restaurierungsarbeiten selbst, die von einem engagierten Team um Annemarie Wolfslehner durchgeführt wurden, finden Sie nachstehend die Informationen.
[1] Sebastian Reichardt, einer der Nachfolger Dregers als Pfarrer, widmete diesem einige Seiten im
Memoralienbuch. Vgl. Diözesanarchiv St. Pölten, Memoralienbuch 10/01, 03.PfA3125-Pfarrarchiv Haag,
Losbichler aus Haag.
[2] Diese Information sowie die Hinweise auf die Memoralienbücher verdanke ich Herrn Florian
S. 285.
[3] Durch Abplatzung der Farbe kann man sowohl 1828 als auch 1823 lesen.
[4] Gottfried von Dreger, Neue Skizzen einer Sommer-Reise durch Italien, Unter-Oesterreich, Steyermark,
Salzburg, Tyrol u.s.w.ö, Wien 1831, S. 66.
Restaurierung Pfarrsaal Haag
Text und Fotos: Annemarie Wolfslehner-Graf
Bei der Ausstattung handelt es sich um eine Seccomalerei. Die in übereinanderliegenden Kalklasuren angelegte Malerei wurden teils sehr dünn, in manchen Zonen bewusst pastos aufgetragen – beispielsweise in den gemalten Wolken oder Stadtkulissen. In dunklen und sehr farbkräftigen Zonen, etwa bei den leuchtenden Ockerausmischungen in den Säulenkapitellen oder den bunten Blumengirlanden in der Hohlkehle, ist von einem organischen Bindemittelzusatz auszugehen.
Insgesamt wird von zumindest zwei (vielleicht drei) unterschiedliche Restaurierungsphasen ausgegangen: Die teils gut integrierten Überarbeitungen der Bildbereiche, die bei längerer Bearbeitung auffallen und eher Übermalungen als Retuschen sind, werden dem 19. Jahrhundert zugeordnet, wahrscheinlich dem Sohn des Künstlers. Eine weitere Maßnahme erfolgte mutmaßlich später (20. Jh.) zum Teil mit Putzergänzungen, etwa im mittleren Bildfeld der Nordwand einhergehend. Diese Ergänzungen waren besonders in der Scheinarchitektur recht summarisch ausgeführt. An den Wänden, vor allem im Bereich der Bildfelder, wurde in den vergangenen Restaurierungen wenig überarbeitet – geschätzt wird eine Übermalung von ca. 15 Prozent der Bildbereiche. Auch an der rahmenden Scheinarchitektur wurde nicht viel mehr überarbeitet. An der Decke lag ein nahezu vollständig überfasster Zustand vor.
Die aktuelle Restaurierung umfasste eine Trockenreinigung, danach eine partielle Feuchtreinigung zur Entfernung wässrig entfernbarer Übermalungen an den Bildfeldern, vor allem entlang der statischen Risse. Die Festigung erfolgte nach Vorversuchen mit Klucel E im Sprühverfahren. Insbesondere an Grünausmischungen (arsenhaltiges Schweinfurther Grün) wurde eine mehrfache Festigung vorgenommen. Danach erfolgten die Putzergänzungen an den zahlreichen Rissen mit Kalkmörtel in unterschiedlichen Körnungen, um die Oberfläche an die Umgebung anzupassen. Hohlräume wurden mit Flüssigmörtel hinterfüllt, dachartig aufgestellte Malschichtschollen wurden mit CaLoXiL bzw. Leim (Klucel E und Funori) fixiert.
Die partielle Neufassung des bereits übermalt vorliegenden Deckenspiegels erfolgte aufgrund eines Wasserschadens und zahlreicher Verdunkelungen mit Kalkfarbe. Auch neu verputzte Zonen (Fensterrücklagen und Anschlüsse zum Fußboden) wurden mit Kalkfarbe gestrichen, und mit Pinsel sowie Naturschwamm wurde die mehrfarbige Marmorierung angelegt. Bei der Neuerstellung der Marmorierung erwies sich, dass die Fensternischen ohnehin bereits vollflächig übermalt vorlagen. Entsprechend wurden die Töne in der Neufassung nun variiert und erneut dem entstehungszeitlichen Konzept angepasst (sichtbar in der Sockelbalustrade).
Fehlstellen in der Malschicht wie auch optisch störende Übermalungen im Bereich der Scheinarchitektur, des Zahnschnittfrieses der Decke sowie der Hohlkehle wurden mit Kalktünche eingetönt und mit in Glutolin-Leim gebundenen Pigmenten sowie Gouache retuschiert. Im Bereich der Bildfelder wurden die Retuschen mit Gouache und Glutolin-Leim mit Pigmenten und Pastellkreiden (Himmelszonen) angelegt, sodass in diesen Zonen sämtliche Zutaten reversibel sind.
Restauratoren:
Annemarie Wolfslehner-Graf
Julia Knollmayr
Reinhard Larcher
















